Wer in Claude die Teilen-Funktion genutzt hat, sollte seine Freigaben kontrollieren. Am 25. Juli 2026 ist auf Reddit aufgefallen, dass sich über eine simple Google-Suchabfrage hunderte geteilte Claude-Unterhaltungen und veröffentlichte Artefakte aufrufen ließen, inklusive Lebensläufen mit Klarnamen, API-Schlüsseln, Zugangsdaten zu Krypto-Wallets und juristischen Notizen.

Anthropic hat inzwischen nachgebessert, die Treffer sind aus der Google-Suche verschwunden. Das Grundproblem bleibt aber bestehen: Ein Share-Link in Claude ist öffentlich und was einmal im Netz stand, ist durch das Entfernen aus dem Suchindex nicht gelöscht.

In diesem Beitrag erfährst du, wie es dazu kam, wie du deine eigenen geteilten Chats und Artefakte prüfst und was du tun kannst, wenn tatsächlich sensible Inhalte dabei waren.

Hinweis: 
Das war kein Hack und kein klassisches Datenleck. Es wurden keine Konten kompromittiert und keine privaten Chats abgegriffen. Betroffen sind ausschließlich Unterhaltungen und Artefakte, die Nutzer selbst aktiv über die Teilen-Funktion freigegeben haben.

Wie die Chats in den Google-Index kamen

Claude bietet beim Teilen zwei Optionen: „Nur ich“ oder „Jeder mit dem Link“. Wer die zweite Variante wählt, erzeugt eine öffentlich erreichbare Seite unter claude.ai/share. Die Erwartung der meisten Nutzer war die eines nicht gelisteten YouTube-Videos: erreichbar für alle, die den Link kennen, aber nicht auffindbar über eine Suchmaschine.

Genau diese zweite Annahme stimmte nicht. Auf den Share-Seiten fehlte die noindex-Anweisung, die einer Suchmaschine ausdrücklich verbietet, eine Seite in den Index aufzunehmen. Vorhanden war lediglich eine robots.txt, die das Crawlen unterbindet. Das ist ein wichtiger Unterschied: Eine Sperre in der robots.txt verhindert, dass der Crawler den Seiteninhalt abruft, sie verhindert aber nicht, dass Google eine URL indexiert, die es anderswo im Netz gefunden hat, etwa in einem Forum, auf X oder in einem öffentlichen Repository.

Aufgefallen ist das Ganze über einen einzigen Suchoperator:

site:claude.ai/share

Dieselbe Abfrage funktionierte auch für veröffentlichte Artefakte. Google hat dazu erklärt, es seien keine Inhalte abgerufen worden, die nicht ohnehin öffentlich verfügbar waren und vermutet, dass die Links über Foren und soziale Medien in den Index gelangt sind.

Was in den öffentlich auffindbaren Chats stand

Die Bandbreite reichte von harmlosen Programmier-Unterhaltungen und Arbeitsnotizen bis zu Inhalten, die dort niemand vermuten würde: Bewerbungsunterlagen mit Namen und Telefonnummern, API-Schlüssel, Finanzdaten, Anwaltsnotizen zu einem laufenden Fall und Zeichenfolgen, die nach Sozialversicherungsnummern aussehen.

Anthropic hält in seiner Stellungnahme dagegen, dass die Links weder erratbar noch auffindbar seien, solange Nutzer sie nicht selbst verbreiten. Man gebe keine Chat-Verzeichnisse oder Sitemaps an Suchmaschinen weiter und wer eine Unterhaltung teile, mache diesen Inhalt bewusst öffentlich, mit allen Konsequenzen, einschließlich der Archivierung durch Dritte.

Neu ist das Muster nicht. ChatGPT hatte 2025 ein praktisch identisches Problem mit geteilten Unterhaltungen, ebenso Grok und auch bei Claude waren bereits im Vorjahr indexierte Chats gemeldet worden.

Was Anthropic geändert hat

Anthropic hat die Crawler-Anweisungen für die Domain claude.ai/share korrigiert. Seit Montagnachmittag, dem 27. Juli 2026, liefert die oben genannte Suchabfrage bei Google keine Treffer mehr. Eine technische Beschreibung der Änderung, ein genaues Datum oder eine Zahl, wie viele Unterhaltungen bis dahin im Index gelandet sind, hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

Bei Bing verschwanden die Ergebnisse langsamer. Und mindestens ein Sammler hat mehr als 11.000 Nachrichten aus den betroffenen Chats gesichert und auf GitHub abgelegt, bevor der Index bereinigt war.

Schritt 1: Deine geteilten Chats in Claude prüfen

Öffne die Einstellungen in Claude und navigiere zu:

Einstellungen > Datenschutz > Datenschutzeinstellungen > Verwalten

Es öffnet sich das Fenster Geteilte Chats mit einer Liste aller Unterhaltungen, die du jemals freigegeben hast. Jeweils mit Titel, Freigabedatum und Link. Neben jedem Eintrag findest du die Option Freigabe aufheben.

Geh die Liste vollständig durch und hebe die Freigabe für alles auf, was Kundennamen, Zugangsdaten, personenbezogene Daten, Vertragsinhalte oder Quellcode enthält. Im Zweifel: aufheben. Ein Share-Link lässt sich jederzeit neu erzeugen.

Hinweis: 
Der geteilte Snapshot enthält alle Nachrichten, die vor dem Teilen gesendet wurden, einschließlich der darin enthaltenen Artefakte. Hochgeladene Dateien selbst sind nicht Teil des Snapshots. Nachrichten nach dem Teilen bleiben privat. Es sei denn, du hebst die Freigabe auf und teilst erneut, dann wird der Snapshot aktualisiert.

Schritt 2: Veröffentlichte Artefakte separat kontrollieren

Veröffentlichte Artefakte werden getrennt von den geteilten Chats verwaltet und waren von der Indexierung genauso betroffen. Wer also nur die Chat-Liste prüft, übersieht möglicherweise die Hälfte.

Geh deine Artefakte durch und hebe die Veröffentlichung für alles auf, was interne Daten, Konfigurationen oder Kundenbezug enthält. Besonders relevant ist das bei Artefakten mit persistentem Speicher, denn diese Funktion setzt eine Veröffentlichung voraus.

Wenn du Claude über einen Team- oder Enterprise-Plan nutzt, bist du hier auf der sicheren Seite: In diesen Plänen lassen sich Chats und Artefakte nur innerhalb der eigenen Organisation teilen, eine öffentliche Veröffentlichung ist nicht möglich.

Schritt 3: Prüfen, ob noch Reste im Index liegen

Auch wenn die Sammelabfrage keine Treffer mehr liefert, lohnt sich eine gezielte Kontrolle. Nimm eine markante, wörtliche Formulierung aus einem geteilten Chat, einen Projektnamen, eine ungewöhnliche Fehlermeldung, einen Firmennamen und suche danach in Anführungszeichen bei Google und zusätzlich bei Bing:

"deine markante Textstelle" site:claude.ai

Findest du dort noch einen Treffer, kannst du über das Google-Tool zum Entfernen veralteter Inhalte eine Aktualisierung beantragen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Seite tatsächlich nicht mehr erreichbar ist, die Freigabe muss also vorher aufgehoben sein.

Warum „Freigabe aufgehoben“ nicht „gelöscht“ bedeutet

Das Aufheben einer Freigabe deaktiviert die URL. Es entfernt weder den Google-Cache sofort noch erreicht es irgendeine Kopie, die während des Indexierungsfensters von Dritten angelegt wurde. Archivdienste, Screenshots, Scraper-Sammlungen und das erwähnte GitHub-Archiv bleiben bestehen.

Wenn also Zugangsdaten, API-Schlüssel, Tokens oder Passwörter in einem geteilten Chat standen, reicht das Aufheben der Freigabe nicht aus. Diese Geheimnisse musst du als kompromittiert behandeln und rotieren. Also neu erzeugen und die alten sperren. Standen personenbezogene Daten Dritter in einem geteilten Chat und du nutzt Claude beruflich, ist zusätzlich zu prüfen, ob eine Meldepflicht nach DSGVO greift.

So teilst du künftig sicherer

Behandle jeden Share-Link grundsätzlich als öffentliche Webseite und nicht als privaten Versand. Bevor du teilst, lies die Unterhaltung noch einmal von oben durch, gerade in langen Chats stehen Zugangsdaten oft weit vor der Stelle, um die es dir eigentlich geht.

Für sensible Inhalte ist ein Screenshot oder ein kopierter Textausschnitt die bessere Wahl als ein Share-Link. Und wenn du regelmäßig teilst, plane eine feste Routine ein, um die Liste der geteilten Chats aufzuräumen. Freigaben sammeln sich sonst über Monate an, ohne dass sie noch jemand braucht.

Fazit

Anthropic hat die fehlende noindex-Anweisung korrigiert, die Treffer sind aus der Google-Suche verschwunden. Prüfen solltest du deine Freigaben trotzdem: unter Einstellungen > Datenschutz > Geteilte Chats > Verwalten und zusätzlich bei den veröffentlichten Artefakten. Alles, was Zugangsdaten oder Kundendaten enthielt, gehört sofort deaktiviert und was an Schlüsseln und Passwörtern darin stand, gehört ausgetauscht.

Die eigentliche Lehre ist unabhängig vom Anbieter: Ein Link, der „jeder mit dem Link“ heißt, ist eine Veröffentlichung. Nicht mehr und nicht weniger.

Falls du selbst betroffen warst, schreib gerne in die Kommentare, was du in deiner Liste gefunden hast.

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